Neues Zuhause für Marty

Das Jahr 2020 hatte einen sensationellen Start für Marty und mich. Zwei richtig tolle Lehrgänge und unser erstes Turnier seit 2015 mit einer Salatschleife und ohne Hindernisfehler. Leider ging es dann seit April 2020 nur noch bergab. Marty lief nicht mehr so, wie ich es von ihm gewohnt war und er war einfach nur noch fest. Die Stellung und Biegung fielen ihm unglaublich schwer und er war immer total stark. Für Marty mehr als untypisch, da er eigentlich eher der Kandidat ist, der sich hinterm Zügel verkriecht und man gar nichts in der Hand hat. Irgendetwas stimmte nicht und Marty hat dann erstmal das rundum sorglos Paket mit Chiropraktiker, Osteopathie und Matrix-Rhythmus-Therapie bekommen, aber so richtig besser wurde es leider nicht. Wir hangelten uns von Monat zu Monat und ich war nicht wirklich zufrieden, wie sich das alles entwickelte.

Ich entschied mich dann im Ende Juni noch einmal zu meinem Tierarzt zu fahren. Zufällig fing er dann auch drei Tage vor dem Termin an zu lahmen. Ich bin so dankbar für meinen Tierarzt, denn er hat ziemlich schnell die richtige Diagnose aufgestellt. Marty´s Kniebänder sind überlastet, das kommt vermutlich durch den Spat. Die Kniebänder wurden dann behandelt und Marty sollte erstmal Schritt gehen. Klar war zu dem Zeitpunkt jedoch, dass er definitiv damit nicht mehr richtig springen darf.

Nun hieß es einen Plan schmieden, denn auf Dauer wäre es für Marty keine Lösung weiterhin in der Box zu stehen. Er geht ja leider nicht mehr in den Wald, Springen fällt weg und Longieren ist natürlich für die Beine auch nicht optimal. Hätte bedeutet, dass wir jetzt nur noch Dressur reiten und Bodenarbeiten machen können. Damit wäre ich aber auf Dauer definitiv nicht glücklich geworden, denn meine Leidenschaft liegt einfach im Springsport und jeden Tag Dressur ist auch für Marty einfach kein Spaß.

Meine Trainerin hatte dann eine tolle Idee und glücklicherweise hat alles geklappt und wir konnten die Idee verwirklichen. Ich bin mit dieser Lösung mehr als Glücklich und hoffe, dass ich Marty damit glücklich machen kann – denn sein Wohl steht bei mir an oberster Stelle. Mir fiel es wirklich schwer, als es dann soweit war, dass er in sein neues Zuhause zog, aber ich hoffe einfach, dass ich für Marty die richtige Entscheidung getroffen habe. Ich vermisse den kleinen Mann schon sehr, aber ich kann ihn jederzeit besuchen und er gehört auch weiterhin mir, ich habe ihn nicht verkauft oder abgegeben.

Er steht jetzt bei einer Freundin meiner Trainerin auf einer Anlage mit Laufstall und Schulbetrieb. Im Laufstall hat er immer Bewegung und das ist für die Arthrose optimal und dann darf er noch ein paar Kinder glücklich machen und läuft etwas im Schulbetrieb mit. Den Pferden geht es hier wirklich toll, sie haben Platz ohne Ende, eine große Box im Laufstall, Weiden, Paddocks und ganz viele Kinder, die sie von morgens bis abends betüddeln.

Mir zerreißt es manchmal immer noch das Herz, dass ich Marty jetzt nicht mehr täglich bei mir habe und wir nicht mehr durch den Parcours flitzen oder mit ihm rumalbern können, aber wir wären alle auf Dauer mit der Situation nicht glücklich geworden. Mein Herz schlägt einfach fürs Springreiten und ich möchte mit meinem Hobby Spaß haben, da muss ich leider auch etwas an mich denken. Ich hoffe aber, dass ich diesbezüglich die richtige Entscheidung getroffen habe und werde nun schauen, was die Zukunft bringt.