Wie wir den Spat in den Griff bekommen haben

Im November 2015 habe ich für Marty die Diagnose Spat bekommen. Monatelang hat er immer mal wieder gelahmt und erst nachdem wir ihn in der Klinik auf den Kopf gestellt haben, haben wir herausgefunden was es ist. Wir haben ihn damals behandelt und versucht ihn wieder anzutrainieren, er lief dann ganz ok, aber nicht 100% gut. Ich habe damals den Entschluss gefasst ihn auf Weide zustellen und wollte ihn eigentlich nicht mehr reiten. Nachdem es dann mit Accino leider anders geendet hat als geplant, habe ich mich mit meinem Tierarzt besprochen und wir haben die Entscheidung getroffen, dass wir es mit Marty noch einmal probieren.

Durch die 2,5 Jahre Weide konnte der Spat verknöchern und der entzündliche Prozess war vorbei. Wir haben dann neue Röntgenbilder gemacht auf denen die Verknöcherung auch deutlich zu sehen war. Durch die damalige Behandlung in der Klinik ist es sehr gerade ohne große Unebenheiten verknöchert. Nun hieß es einen ordentlichen Trainingsplan zu erstellen, denn das A und O war eine starke Muskulatur in der Hinterhand, damit der Spat entsprechend unterstützt wird und Marty trotz Befund läuft.

Ich habe Marty im April 2018 wieder zu mir geholt. Da stand ich nun mit einem komplett untrainierten Pferd, ohne Eisen und mit Spat. Es ging als erstes zum Hufschmied, denn er braucht definitiv vier Eisen. Mein Tierarzt hat sich extra mit meinem Schmied besprochen, wie wir Marty beschlagen und die Entscheidung ist gegen einen klassischen Spatbeschlag (hinten erhöht) gefallen. Dafür hat Marty hinten verbreiterte und etwas verlängerte Schänkel bekommen, damit er eine größere Auftrittsfläche hat.

Dann hieß es loslegen. Longieren war nicht erlaubt, weil das eine zu starke Belastung für die kaputten Gelenke ist, also blieb nur reiten. Mit meiner Trainerin habe ich ein Glück jemanden an meiner Seite, die wirklich Ahnung hat und mich optimal beim Aufbau unterstützen konnte. Der Fokus lag immer darauf, dass wir die Hinterhand stärken, gezielt Muskeln aufbauen und Marty losgelassen durch den Körper läuft – Zuckerschlecken also.

Wir haben Marty dann kontinuierlich aufgebaut. Ich habe quasi neu reiten gelernt, denn meine Trainerin hat ganz andere Ansätze und ein ganz anderes Training, als ich es von früher kannte. Wir haben also trainiert und immer wieder Pausen unter der Woche eingelegt, damit wir nichts zu schnell steigern. Da wir nicht longieren konnten, mussten wir immer reiten. In der Anfangszeit gab es viel freie Tage, die er auf der Weide verbringen konnte, aktuell reiten wir ihn eigentlich jeden Tag, da Marty ein Pferd ist, der gearbeitet werden muss und dem freie Tag nicht gut tun. Vereinzelnd wird er auch mal longiert, aber das ist die Ausnahme.

Übergänge, Tempiwechsel und „Joggen“ lassen waren unser Weg zum Erfolg. Gerade das joggen lassen ist wirklich sehr effektiv für die Stärkung der Hinterhand. Hier reitet man in einem ganz langsamen Tempo Trab, hat das Pferd aber durch den Körper und der Rücken schwingt mit. Es ist ganz wichtig, dass das Pferd locker ist und den Rücken hergibt, sonst bringt es nicht den gewünschten Erfolg. Das haben wir auch nur in ganz dosierten Intervallen gemacht, da es sehr anstrengend ist. Gerade auf einem guten Level kam dann ja leider der Fesselträgerschaden und wir mussten im Januar 2019 wieder von vorne anfangen. Diesmal mit einem sehr wilden und überhaupt nicht ausgeglichenen Marty. Leider mussten wir ihm vor jedem Reiten ablongieren, was eigentlich nicht gut für den Spat ist – ging nur leider nicht anders. Nach und nach baute er immer mehr Muskeln auf und lief deutlich besser. Im Frühjahr/Sommer 2019 hatten wir leider einen Rückfall und der Spat machte sich etwas bemerkbar. Das kann durch das tägliche Longieren passiert sein.

Wir haben uns damals dazu entschieden den Spat mit Kortison zu spritzen. Das bewirkt, dass der entzündliche Prozess abklingt und Marty wieder Schmerzfrei laufen kann. Denn wenn das Bein schmerzt, verkrampft er sich im Rücken und das hat zur Folge, dass die Muskeln verkrampfen und eher abgebaut werden.

Ich habe mich damals mit meinem Tierarzt besprochen, dass wir je nach Bedarf diese Behandlung wiederholen (max. alle 6 Monate).

So langsam hat sich alles eingespielt und wir sind auf einem sehr guten Weg. Die Kombination aus 2x im Monat Matrix Rhythmus Therapie, Kortison nach Bedarf und der gezielte Muskelaufbau wirken gut und Marty läuft aktuell (toi-toi-toi) sehr gut! Er schwingt im Rücken gut mit und auch sein Bewegungsablauf ist in Ordnung. Mein Tierarzt hat trotzdem in regelmäßigen Abständen ein Auge auf ihn und kontrolliert, dass er korrekt läuft. Wir haben ihn aktuell sogar so weit, dass er wieder aktiv gesprungen werden kann. Ich bin momentan wirklich mehr als zufrieden mit seiner Entwicklung und seiner Leistung. Das A und O ist aber, dass wir die Muskeln erhalten und weiter aufbauen, denn durch das gezielte Training läuft er so wie er aktuell läuft und das muss bei diesem Befund tatsächlich weiter so durchgeführt und gelebt werden.