Springlehrgang bei Bianka Axmann

Vom 04.01. auf den 05.01.2020 habe ich mich mit Marty bei einem Lehrgang bei meiner Trainerin angemeldet. Der Lehrgang fand im Pferdezentrum Meeresberg, auf der Anlage von Katrin Eschenhorst statt. Schwerpunkt des Lehrgang lag auf Stangenarbeit, Linienführung, Distanzen und Parcours – passend für unseren aktuellen Leistungsstand, denn einen ganzen Parcours sind wir bis dato noch nicht gesprungen.

Es ging am Samstag los, die Sachen hatte ich weitestgehend schon am Freitag gepackt und musste dann nur noch alles in den Hänger räumen. Nach knapp 2 Stunden Fahrt sind wir angekommen und Marty durfte erstmal seine Gastbox beziehen. Wir hatten noch genug Zeit um ein wenig zuzugucken, bis es selbst aufs Pferd ging. Die Halle war für Marty Verhältnisse schon aufregend. Hinten an der langen Seite gab es einen großen Einritt, der offen war, vorne an der kurzen Seite war mit der Umrandung vom Dressurviereck ein wenig abgesperrt und an der anderen langen Seite gab es eine Bande, die nicht in die Hallenwand übergeht sondern es kommt erstmal Freiraum (ein Glück ist hier niemand rumgelaufen). Marty ist früher kein guckiges Pferd gewesen, aber momentan bin ich mir da nicht mehr so sicher und daher war ich doch etwas nervös. Neue Umgebung, neue Halle, andere Atmosphäre – da hätte alles passieren können.

Ich habe mir bewusst lange Zeit zum fertig machen genommen, damit es ja nicht hektisch wird und wir lange Schritt gehen können. Marty war doch recht aufgeregt, also habe ich ihn erstmal in der Halle Schritt geführt und bin dann aufgestiegen. Er war kribbelig, aber fühlte sich nicht so an, als würde er gleich explodieren. Beim Traben merkte man, dass er doch nervös ist, aber er ist nicht einmal weggesprungen oder fühlte sich unsicher an. Der große Einritt an der offenen Seite war schon spannend, aber man konnte ihn gut abarbeiten und im Trab und Galopp daran vorbei reiten.

Der Samstag war als Vorbereitung für den Sonntag zu sehen und wir haben viel an Linienführung und Kontrolle vor und nach den Sprüngen gearbeitet. Eine Übung war, ein Kreuz zwischen E und H ca. auf dem dritten Hufschlag und dann eine Bodenstange bei C auf dem zweiten Hufschlag. Wir mussten das Kreuz aus dem Galopp reiten, danach durchparieren, im Trab über die Stange, danach nach links weiter und wieder über die Stange, wie eine Schlangenlinie. Das Durchparieren nach dem Kreuz fällt mir total schwer und ich habe die Stange auf dem Boden nicht immer getroffen, es wurde aber ein Glück von Mal zu Mal besser. Das ist wirklich eine super Übung, damit das Pferd auch nach dem Sprung besser bei einem bleibt. An dem Punkt sind wir aktuell noch nicht, denn Marty hat einfach so Lust auf Springen, dass er danach immer sehr motiviert weiterläuft. Ich bin aber froh, dass wir wenigstens schon an dem Punkt sind, dass wir zum Hindernis hin ein ruhiges Tempo haben und er bei mir bleibt.

Wir haben zusätzlich zu dieser Übung dann noch viel mit einem Cavaletti als In-Out vorm eigentlichen Sprung gearbeitet und uns nach und nach einen kleinen Parcours erarbeitet. Am Samstag sind wir dann auch noch unsere erste Kombination seit langer Zeit geritten. Die haben wir bewusst im Training vorerst weggelassen, da Marty noch nicht die Kraft hatte und ich ihn nicht schnell genug zurückbekommen habe, dass es vermutlich zu eng und unübersichtlich geworden wäre. Auch an dem Tag war es nicht perfekt, aber wir sind ohne Fehler durchgekommen.

Wir haben an dem Tag schon viel gelernt und ich weiß, an welchen Baustellen ich zu arbeiten habe. Marty sprang aber wirklich super gut an dem Tag und hat sich auch mal etwas runder überm Hindernis gemacht. Danach ging es für ihn dann mit einer riesigen Portion Heu ins Bett und wir sind alle gemeinsam noch Essen gegangen.

Am Sonntag starteten wir mit einem gemeinsamen Frühstück in Tag 2 und danach habe ich mir Marty wieder langsam fertig gemacht. Er war deutlich entspannter, weniger hektisch und viel gelassener. Auch in der Halle hat er nicht mehr geguckt und war total bei mir.

Am Sonntag hieß es dann: Parcours. Marty hatte deutlich weniger Kraft und war ein wenig schwammig unter mir. Das hieß für mich, dass ich ihn deutlich konstanter unterstützen und genauer reiten muss. Zum warm werden gab es ein Cavaletti auf dem Zirkel, wir sind dann aber auch relativ schnell zu den eigentlichen Hindernissen übergegangen, damit die Pferde nicht zu müde werden. Wir haben angefangen mit einem Hindernis und haben den Parcours dann langsam aufgebaut und immer einen Sprung mit dazu genommen. Bevor wir beim ganzen Parcours angekommen waren, haben wir Hindernisse immer nochmal anders verbunden und sind verschiedene Variationen gesprungen. Meine Trainerin legt immer total viel Wert auf die Wege. Diese sollte nie zu lang und zu „leicht“ sein. Wir hatten somit gebogene Linien und auch ein Hindernis, welches relativ schnell aus der Ecke kam – alles machbar, wenn man sein Pferd bei sich hat. Ich habe die eine Linie nicht geschafft, weil Marty nach dem Sprung erstmal rumhampeln musste und ich somit nicht genug Zeit hatte und das Hindernis zu schnell kam. Es gab also eine Runde auf dem Zirkel um wieder Ruhe reinzubringen. Für mich ist das überhaupt nicht schlimm, denn meine Erwartungen an die beiden Tage und an Marty wurde schon am Samstag mehr als übertroffen und die Linie werden wir mit etwas Übung auch irgendwann schaffe.

Marty hatte generell im Parcours noch ordentlich Zug nach vorne, man hat aber gemerkt, dass er sich das Tempo ein wenig holt, weil ihm doch etwas Kraft fehlte. Auch hier: überhaupt nicht schlimm, denn er hat an dem Tag wirklich alles gegeben.

Wir haben nach der letzten guten Runde aufgehört und so konnten Marty und ich mit einem sehr guten Gefühl den Lehrgang beenden. Auch wenn ich im täglichen Training meine Trainerin immer zur Seite habe, ist es doch nochmal was anderes einen Lehrgang woanders zu reiten. Vielleicht war es sogar gut, dass unser erstes Auswärtstraining bei Bianka stattgefunden hat, denn Sie kennt mich und mein Pferd und weiß, in wie weit man Marty belasten kann.

Mir haben diese beiden Tage total viel gebracht, denn ich weiß jetzt, woran wir noch arbeiten müssen und was ich noch besser machen kann. Ich mache bspw. viel zu viel mit meiner Hand und arbeite ihn mir nicht genug über meinen Sitz. Ich komme schnell ins ziehen, wenn er zu flott wird und hole ihn mir nicht übers Bein und Sitz zurück. Das ist auch wirklich nicht ganz einfach, aber wir haben immer mehr Momente, in denen das ganz gut klappt, daher bin ich guter Dinge, dass das mit dem Training nach und nach besser und einfacher wird. Dann muss ich ganz konsequent an meinem Sitz arbeiten. Übern Sprung passiert es mir häufig, dass ich meine Arme zur Seite ausstrecke, wie ein Chicken Wing und nicht nach vorne gebe und die Ellenbogen am Körper behalte. Dazu fall ich auch übern Sprung schnell ins Hohlkreuz und drücke den Rücken weg anstatt ihn eher aufzuwölben. Aber das wird sicherlich alles mit der Zeit kommen. Das wir überhaupt an dem Punkt sind, an dem wir aktuell stehen ist ein kleines Wunder für mich und ich hätte niemals gedacht, dass Marty wieder so laufen geschweige denn springen wird. Daher freue ich mich jetzt erstmal darüber, wie gut Marty läuft, genieße jedes gute Training und am Rest wird parallel gearbeitet.