Unser Ausflug in die Bodenarbeit – Fazit

Im April hatten wir unsere erste Stunde Horsemanship, dazu habe ich euch bereits ausführliche Beiträge verfasst und ihr findet sie alle hier auf dem Blog.

Vier Monate ist es nun her und ich würde nun gerne in Fazit dazu ziehen. Wie ich bereits erwähnt habe, liegt mit Bodenarbeit und Horsemanshop nicht besonders. Ich finde es toll anzusehen und bin begeistert, was man alles erarbeiten kann, aber ich bin dafür irgendwie nicht gemacht. Daher hat sich bei mir die Bodenarbeit viel auf die Basics beschränkt, wie Führtraining und ein paar Kleinigkeiten im Zirkel. Meine Schwester ist hier deutlich besser unterwegs und kann es auch alles deutlich besser umsetzen.

Wir hatten uns damals Hilfe bei einer Trainerin geholt, weil Marty Anfang des Jahres etwas schwierig zu händeln war und ich am Rande der Verzweiflung stand.

Angefangen haben wir dann mit Führtraining und kleinen Aufgaben im Longierzirkel. Ich muss hier ehrlich gestehen, dass ich die Arbeit im Longierzirkel nicht regelmäßig gemacht habe, da ich auch nach dem Training nicht 100% warm damit geworden bin. Das Führtraining haben wir jeden Tag eingebaut, mit Knotenhalfter ging es dann übern Hof und das hat wirklich so unglaublich gut funktioniert. Marty war nach kurzer Zeit schon deutlich entspannter beim Führen und nicht mehr so aufdringlich.

Wie es dann so ist, lässt man sowas ja gern mal schweifen, wenn man an dem Punkt gekommen ist, an dem man für sich sagt: Super, so kann ich damit leben. Daher geht es aktuell auch nicht mehr mit Knotenhalfter übern Hof, sondern nur noch ganz normal mit Trense. Ich bin fein mit der aktuellen Situation und daher habe ich mich dafür entschieden, dass wir so erstmal weitermachen können. Die Bodenarbeit ist erstmal komplett in den Hintergrund gerückt, weil ich auch das Gefühl habe, dass ich es aktuell nicht brauche. Meine Schwester versucht trotzdem ein paar Mal im Monat Bodenarbeit mit Marty zu machen, da passiert also generell trotzdem noch was. Sie ist ja ein großer Fan von Klicker-Training und das macht sie schön mehr oder weniger regelmäßig mit ihm.

Das Hängertraining und das „Alleine vom Hof gehen“ haben wir einfach zusammen ohne Trainer angegangen und auch hier sind wir auf einem guten Weg. In den Hänger geht Marty wieder ohne Probleme. Das haben wir sehr häufig geübt und da hieß es bei Marty geduldig sein. Mit Druck erreichst du bei ihm leider immer recht wenig, weil er dann mit Gegendruck reagiert und kopflos wird um aus der Situation zu fliehen. Ich weiß nicht, ob wir den richtigen Weg gewählt haben, aber Marty ist unglaublich verfressen, daher haben wir es über Futter gemacht. Ich stand mit einer Müslischale im Hänger und habe ihn reingelockt. Das hieß am Anfang immer erstmal abwarten und immer mal wieder am Strick „ziehen“ und schauen, ob er vielleicht rein möchte. Das hat für uns perfekt funktioniert, denn nach ein paar Mal üben marschiert Marty nun wieder ohne Probleme in den Hänger und bekommt trotzdem oben immer noch eine Belohnung. Da schütteln nun sicherlich viele den Kopf, weil man das Pferd nicht mit Futter locken sollte, aber für uns war es die optimale Herangehensweise. Wir mussten Marty nicht bestrafen, wie haben keinen Druck aufgebaut und er ist freiwillig reingegangen. Der nächste Schritt wird für uns sein, dass wir nun üben möchten, dass er alleine in den Hänger geht.

Beim alleine den Hof verlassen sah es etwas anders aus. Da wurde Marty ja immer ziemlich kopflos und wollte ohne Rücksicht auf Verluste zurück zum Hof. Wir haben es auch hier mit Futter probiert, aber keine Chance. Er wollte einfach nicht und ist immer stehen geblieben, egal wie gut ich ihm zugeredet habe. Zwischendurch hat es ganz gut geklappt, dass ich Tricks abgefragt habe, damit seine Aufmerksamkeit bei mir ist, aber das hat er recht schnell durchschaut und ist trotzdem stehen geblieben. Das war recht frustrierend und daher haben wir das erstmal auf Eis gelegt.

Als ich jedoch dann mit ihm in der Situation war, dass er auch mit Zweitpferd plötzlich stehen geblieben ist und zurück wollte und wir uns da einfach mal durchgesetzt haben indem ich ihn geführt habe und eine Freundin ihn von hinten dann mit einer Gerte begrenzt hat, hatte ich eine Art Schlüsselmoment.

Man sagt ja immer, dass Pferde nichts aus Boshaftigkeit tun oder den Menschen „verarschen“ wollen, denn Pferde denken nicht so weit und tun alles nur aus Angst. Ich kann mich jedoch leider nicht davon frei machen und alles nur als Angst Verhalten sehen, denn ich bin einfach davon überzeugt, dass Marty einige Dinge aus Bocklosigkeit oder Langeweile macht. Woher kommt das sonst? Ich mein wir gehen mit einem weiteren Pferd in Wald, sind schon ein gutes Stück vom Hof weg und plötzlich kommt ihn in den Sinn, dass er jetzt zurück will. Zwei Tage davor war es kein Problem und an stehenbleiben nicht zu denken. Das kann einfach keine Angst sein, denn es ist nichts passiert. Kein Vorfall, kein Trecker, kein schlechtes Wetter, kein Wind, nichts.

An einem Morgen am Wochenende bin ich dann aufgewacht, hab mir nochmal die Situation mit Zweitpferd vor Augen geholt und wie wir uns ohne grob werden durchgesetzt haben (dazu muss man sagen, dass wir die Gerte von hinten wirklich nur an seinen Po gelegt haben, wenn er zurück wollte, damit er spürt, dass es nicht zurück geht). An dem Morgen habe ich mir vorgenommen, dass ich genau das jetzt ohne Zweitpferd machen möchte, nur um zu gucken, wie er reagiert, denn mit Futter und Zuckerbrot ging es ja nicht weiter.

Ich habe mir dann (um das Sprichwort nochmal auf den Punkt zu bringen) eine Longierpeitsche genommen und los ging es. Als wir mit Futter geübt haben, hatte ich trotzdem immer eine Gerte dabei um ihn irgendwie in den Vorwärtsgang zu motivieren. Das Problem dabei war immer, dass ich vorne weichen musste um hinten anzukommen (auch hier habe ich nie raufgehauen sondern normalen Druck ausgeübt), dann ist Marty aber nach vorne weg und hat sich umgedreht, da er vorne keine Begrenzung mehr hatte. Daher gab es nun die Longierpeitsche, die ist lang genug um vorne bei ihm zu bleiben und trotzdem hinten an ticken zu können. Ich bin also voller Tatendrang vom Hof marschierte, merke wie er langsamer wurde, habe ihn einmal mit der Peitsche hinten berührt und bin vorne ganz cool geblieben – Martys Blick war unbezahlbar. Er war so verwirrt, weil er überhaupt nicht einordnen konnte, woher das kam und hat nicht einmal mehr darüber nachgedacht stehen zu bleiben. Steter Tropfen höhlt den Stein (oder vielleicht auch Martys Hirn) und somit ging es nun für ein paar Tage genauso vorm Reiten vom Hof und die Dorfrunde. Nach dem ersten Mal ist er nicht einmal mehr stehen geblieben. Nächster Step war dann vom Hof reiten. Dafür habe ich mir eine Freundin geschnappt, ihr die Longierpeitsche in die Hand gedrückt und los ging es. Sie hatte ein paar Meter Abstand zu uns und wenn ich gemerkt habe, dass er anfängt zu zögern, kam sie ganz cool und ohne Hektik von hinten, berührte ihn und weiter ging es. Die Situation hatten wir genau einmal, dass sie von hinten helfen musste, danach ging es weiter ohne Zögern. Auch das haben wir wieder ein paar Mal geübt und irgendwann bin ich dann alleine los, ohne Longierpeitsche aber mit einer Gerte. Marty ist dann vom Hof, hat an der üblichen Stelle ganz kurz gestockt, ich habe ihn durch die Situation durchgetrieben und er lief die Dorfrunde ohne noch einmal darüber nachzudenken umzudrehen. Ich war so unglaublich stolz, dass wir das geschafft haben und hoffe, dass wir daran anknüpfen können und wir irgendwann auch wieder in die andere Richtung alleine vom Hof reiten können. Aktuell gehen wir nämlich nur die Dorfrunde und das werde ich auch vorerst beibehalten, wir gehen lieber kleine Schritte anstatt irgendwann wieder an den Punkt zu kommen, an dem nichts geht.

Ob es nun Angst war und oder doch „verarsche“, kann ich nicht sagen. Da er aber so einfach davon zu überzeugen war, dass es nur nach vorne geht und wir es mit Futter nicht geschafft haben, tendiere ich zu „verarschen“, auch wenn man sagt, dass Pferde das nicht können. Ich weiß es aber natürlich nicht genau und vielleicht ist es auch ein Zusammenspiel aus unserem Dressurtraining, Führtraining, ein ausgelasteter Marty und der Sommer, der uns dazu verholfen hat. Ist mir im Endeffekt aber auch egal, denn ich bin einfach nur froh, dass wir es soweit geschafft haben. Auch hier denken sich nun sicherlich viele, wie ich mein Pferd mit Peitsche vom Hof „prügeln“ kann, aber dem ist ja nicht so. Wir haben wir Peitsche nie grob eingesetzt und er hat nie richtig eine verpasst bekommen – hätte ich mich auch nicht getraut, denn dann wäre er im Zweifel noch gestiegen und ich wäre am Ende die gewesen, die sich verletzt. Und da wir es ja erst mit Futter und gut zu reden versucht haben und die erfolgslos blieb, war das einfach ein Versuch, der für uns funktioniert hat. Manchmal würde ich gern in Martys Kopf schauen um zu wissen was er in bestimmten Situationen denkt.

Eigentlich wollte ich mir auch für das Hängertraining und vom Hof gehen üben, professionelle Hilfe holen. Ich bin aber manchmal ein recht ungeduldiger Mensch und wollte es dann sofort versuchen. Nachdem es dann mit dem Hängertraining in Eigenregie so gut geklappt hat, wollte ich auch den Hof verlassen allein probieren und nicht erst auf Termine warten. Hat ein Glück funktioniert und ich hoffe, dass es Nachhaltig in Martys Kopf verankert ist. Trotzdem war ich natürlich Neugierig und hätte gern gewusst, wie ein Trainer gerade an das vom Hof gehen, herangegangen wäre. Wer weiß, wenn ich das nun nicht alleine schaffe auch wieder in den Wald zu kommen, hole ich mir vielleicht noch einmal richtige Hilfe. Für den Moment bin ich aber fein mit der aktuellen Situation.

Ich bin aber auf jeden Fall dessen bewusst, dass sich das auch alles wieder ändern kann. Gerade Marty testet gern und ich kann mir gut vorstellen, dass wir irgendwann wieder an dem Punkt sind, dass wir ihm seine Grenzen aufzeigen müssen. Dann weiß ich jetzt aber was zu tun ist und wir fangen einfach wieder an mit dem Führtraining und den Übungen in der Bodenarbeit.

Dieses Jahr hat mir gezeigt, was Höhen und Tiefen mit einem Pferd sind und ich habe noch einmal unglaublich viel über Marty und generell gelernt und kann Situationen und Marty besser einschätzen und hoffe, dass ich aus diesem Jahr viel mitnehmen kann.

Wenn wir nun noch den Winter ohne Probleme überleben bin ich für alles gewappnet. Ich hoffe einfach nur, dass er durch die Kälte dann nicht zu knackig wird.