Horizont erweitern: Wir machen jetzt Horsemanship (Teil1)

Dass ich irgendwann an den Punkt komme, an dem ich mich doch mit dem Thema Horsemanship und Bodenarbeit intensiv auseinandersetzen muss, hätte ich nicht gedacht. Denn ich bin in diesem Bereich völlig untalentiert und vermutlich auch nicht geduldig genug. Meine Schwester hat mit Marty immer gern am Boden gearbeitet und Marty hat auch wirklich richtig Spaß daran, vor allem wenn es um das Erlernen von Tricks geht. Ich habe es dann auch immer mal probiert, aber stehe dann immer im Zirkel und weiß nicht, was ich machen soll. Ich habe sein Kunststücke dann immer abgefragt, aber richtig Bodenarbeit konnte ich einfach nicht. Ich wusste nicht wie und auch nicht was – und wirklich Spaß hatte ich dabei auch nicht, das muss ich einfach mal ganz ehrlich sagen. Ich finde es toll und bewundere die Leute, die eine so starke Bindung zu ihrem Pferd haben und frei mit ihrem Pferd überall die Lektionen abrufen können. Das würde ich manchmal auch total gern, vor allem wenn man immer diese tollen Bilder sieht, wo das Pferd im Watt ohne alles beim Besitzer bleibt. Würde ich Marty im Watt den Strick abmachen, würde er vermutlich direkt durchstarten und nicht wiederkommen. Daher verurteile ich die Bodenarbeit nicht, aber ich habe einfach nie den Draht zu dieser Art von Arbeit mit dem Pferd gefunden.

Am vergangenen Sonntag (14.04.2019) hatte ich nun aber einen Termin mit einer Horsemanship Trainerin bei uns im Stall. Wie es dazu kam, erzähle ich euch einmal vorab und dann kommen wir zu dem Training.

Einmal auf Anfang. Als Marty damals zu mir kam (vor der 2,5 jährigen Weidepause) war er nicht das einfachste Pferd, aber wir haben uns so mit ihm eingespielt, dass er bei meiner Schwester und mir eine sichere Bank war und wir uns auf ihn verlassen konnten. Auf Turnier hat er nichts gemacht und sich auch von der neuen Umgebung nicht beeindrucken lassen, wir konnten alleine mit ihm ausreiten und auch Verladen war kein Problem. Durch die Diagnose Spat ist er dann 2,5 Jahre auf die Weide gekommen. Der Plan war eigentlich, dass er nicht wiederkommt, aber im Leben läuft leider nicht immer alles nach Plan und wie ihr wisst, habe ich ihn letztes Jahr an Oster wiedergeholt und angeschoben.

Das verlief auch alles sehr gut und er lief unglaublich gut und hat wirklich Spaß gemacht. Trotzdem war da schon etwas anders. Nur Kleinigkeiten, aber trotzdem war er nicht mehr zu 100% auf unserer Seite. Das hat sich damit geäußert, dass er beim Reiten immer mal gern unkontrolliert in die Luft ist und nicht immer konzentriert mit uns mitgearbeitet hat. Dann hat er irgendwann noch entschieden, dass er jetzt nicht mehr ohne Zweitpferd in den Wald geht und hat schon an der Hofeinfahrt auf dem Absatz kehrt gemacht und auch Verladen ging später gar nicht mehr. Das waren jetzt alles Punkte, über die ich erstmal hinweg geguckt habe, denn durch die lange Krankheit konnten wir eh nicht ausreiten oder irgendwo hinfahren und ich dachte, dass es durch die Steigerung des Trainings wieder besser werden würde. Nun arbeiten wir seit Januar wieder mit ihm, aber wirklich besser wird es nicht.

Im Umgang findet man sich irgendwie zurecht, nervig ist einfach nur, dass er überall drauf rum kaut, aber über sowas guckt man dann irgendwann hinweg. Was aber wirklich ein Problem ist, ist das Reiten. Ich fühle mich auf ihm einfach nicht mehr sicher und bin die ganze Zeit auf der Hut, was er sich als nächstes ausdenken könnte. Das geht von wegspringen am Eingang, grundlos mit allen Vieren in die Luft springen und ganz neu mit dabei: Wenn ihm Pferde entgegenkommen wird entweder zur Seite weggesprungen oder aber er steigt und macht dabei auf dem Absatz kehrt. Das sind alles Dinge, die super nerven und einen auch einfach nicht mehr entspannt zum Reiten kommen lassen, weil man echt die ganze Zeit aufpassen muss. Vor zwei Wochen war es im Unterricht so extrem, dass kurz im Raum stand, dass Marty gehen muss. Wir sind anscheinend kein Team mehr und er kämpft nicht mehr für uns. Aber soll es das gewesen sein? Es kann doch eigentlich nicht sein, dass wir früher mit Marty alles machen und uns immer auf ihn verlassen konnten und jetzt macht er mit uns was er will. Ich habe dann eine Nacht darüber geschlafen und mir das alles noch einmal durch gen Kopf gehen gelassen und eigentlich wollte ich Marty nicht aufgeben, denn er ist schließlich mein Pferd und ich habe mich damals für ihn entschieden – in guten und in schlechten Zeiten.

Ich habe mir erstmal Gedanken zu unserer Beziehung gemacht und bin an den Punkt gekommen, dass wir vermutlich ein Problem miteinander haben. Vermutlich fehlt Marty das Vertrauen in mich oder generell in den Menschen und auch die Rangordnung könnte eine Rolle spielen. Ich habe mich also dazu entschieden, das Problem an der Wurzel zu packen und aus der Welt zu schaffen, denn Rangordnung und Vertrauen sind Punkte, die man mit Hilfe doch in den Griff bekommen sollte?

Ich habe mich also ans Internet gesetzt und nach einer Trainerin in diesem Bereich recherchiert. Alleine wäre ich mit der Aufgabe überfordert gewesen, denn ich habe nicht die leiseste Ahnung, wie man mit dem Pferd am Boden arbeitet. Hamburg scheint nun nicht gerade die Pferdestadt zu sein, daher war die Auswahl nicht allzu groß. Ich habe mich dann für eine Trainerin aus Hamburg entschieden, die explizit auch das Thema Vertrauen, Rangordnung etc. auf ihrer Seite erwähnt hat.

Wir haben dann sehr kurzfristig einen Termin ausgemacht und uns dann Sonntag für ein gemeinsames Training getroffen. Der Ablauf des Trainings folgt im nächsten Beitrag.